Jeden Morgen fängt mein Arbeitstag um 08:30 in der Sala an. Nach und nach werden die Kinder von ihren Eltern gebracht. Manche bringen Obst, Klopapier oder Farben mit, was so am Tag im Kindergarten gebraucht werden kann. In dieser Zeit wird auch ein Frühstück für die Kinder gebracht, die zu Hause nichts gegessen haben. Es besteht aus einem kleinen Brötchen, mit Butter oder Manjar (süßer Brotaufstrich) bestrichen und ein bisschen Milch.
Um 09:00 werden die Eltern höflich dazu aufgefordert ihre Sprösslinge nun alleine zu lassen was sogleich der Startschuss für unseren Tag ist.
Zunächst machen wir den Stuhlkreis. Hier begrüßen wir uns alle mit Liedern und lockern die Stimmung mit ein paar Fragen über das vergangene Wochenende oder zukünftige Ereignisse wie ein Fest oder einen Feiertag. Dann zählen die Kinder selbst wie viele sie sind. Jetzt im Sommer kommen wir fast täglich auf 31 Kinder. Danach beginnen wir mit einer Aktivität die meistens die Educadora, also die Studierte, vorbereitet hat. Auch hier gibt es feste Ordnungen. Mittwochs und Donnerstags sind es körperliche Aktivitäten, andere Tage beschränken sich auf Zahlenspiele, wieder andere auf Buchstabenübungen. Da mir die nötigen Sprachkenntnisse und Erfahrungen um selbst eine solche Aktivität zu leiten, fehlen beschränke ich mich in dieser Zeit auf Assitenzarbeit. Ich beschrifte die Werke der Kinder oder helfe ihnen, wenn sie nicht mehr weiterwissen.
Wer fertig ist darf raus auf den Patio, den Hof zum spielen. Es ist nun 11 Uhr und die Kinder haben eine halbeStunde Zeit um sich auszutoben. Hier muss ich abwechselnd mit langsamen Kindern die Aktivität beenden, Aufsicht halten oder mit den Kindern spielen.
Nach dem Patio waschen die Kinder sich die Hände und Gesicht und dann gibt es auch schon Mittagessen. Alle meine Kinder sind eigentlich alt genug zum selber essen, doch wie das bei Kindern so ist muss ich sie trotzdem füttern wenn es Gemüse gibt, dass wenigsten etwas davon im Mund landet. Wer fertig ist macht sich sein Bettchen und sollte nun eigentlich einen Mittagsschlaf halten. Doch die wenigsten Kinder schlafen einfach so ohne Problem ein. Viele sind zu aufgedreht um ruhig liegenzubleiben und diese klopfen, kraulen oder streicheln wir in den Schlaf.
Um 12:45 kriege auch ich mein Mittagessen, welches ich mit den anderen Freiwilligen und weiteren Tias einnehme. Um halb 1 geht es wieder los, aber die meisten Kinder schlafen dann noch. Die, die wieder wach sind beschäftige ich entweder mit malen oder bringe sie wieder zum Einschlafen, kommt ganz drauf an wer es ist.
Um halb 3 sind alle wieder wach und nun dürfen sie zum 2. Mal auf den Hof zum Spielen. Danach gibt es wieder Milch und ein Brötchen oder Joghurt. Um die Verbreitung von Läusen einzuschränken, werden nun alle Mädchen mit ihren eigenen Kämmen gekämmt und die Haare wieder frisch zusammengemacht. An diesem Punkt muss ich mich ganz kurz selbst loben, denn die Frisuren die ich ihnen am Anfang verpasst habe, sahen durch mangelnde Übungen aus wie verunglückte Vogelnester. Mittlerweile hab ich den Dreh raus und die Tia muss mir nicht mehr so sehr auf die Finger schauen.
Nun gibt es wieder eine kleine Zwischenmahlzeit, dann noch eine Aktivität und dann ist es auch schon halb 5, Zeit um nach Hause zu gehen. Aber nur für die Kinder. Wir haben jetzt Extension. Aus jeder Sala bleiben täglich ein paar Kinder länger und werden erst um halb 7 abgeholt.
Wir Freiwillige bleiben zum Glück nur bis halb 6 und dann ist auch unser Tag vorbei.
Da wir alle von unseren Organisationen dazu aufgefordert wurden auch eigene Projekte in die Wege zu leiten, habe ich nun mit 2 weiteren Freiwilligen ein Sportprojekt begonnen. Aus 4 Salas haben wir uns die Listen der übergewichtigen Kinder geben lassen mit denen wir nun einmal in der Woche Sport machen. Als wir anfingen mit der Idee dachten wir, wir hätten nicht mehr als 15 Kinder. Die tatsächlichen Zahlen haben uns schockiert! 31 Kinder aus 4 Salas à 32 Kinder zählen als übergewichtig! Auf 2 Tage verteilt machen wir nun mit ihnen 20 Minuten Sport. Es ist nicht lange aber besser als nichts. Zunächst laufen wir uns warm, dann folgen Dehnübungen und Koordinationsaufgaben. Wir bauen auch immer Spiele ein die ihnen helfen sollen rechts und links zu unterscheiden. Das nächste Mal nehme ich meinen Fotoapparat mit und lade dann auch mal Fotos hoch.
Ich bin jeden Abend hundemüde aber auch glücklich, denn obwohl die Arbeit anstrengender ist als alles was ich bisher so erlebt habe, macht sie mir unglaublich Spaß und ich bereue es nicht hierhergekommen zu sein.